Mark der Wendischen Hansestädte

Die Bedeutung des Wortes „Mark“ hat im Laufe der Jahrhunderte ebenso Veränderungen erfahren wie auch andere Maß- und Wertbegriffe, Schon zu der Zeit Karls des Großen kannte man Mark als Gewichtseinheit. Später wurde sie durch die des „halben Pfundes“ ersetzt, dessen Gewicht allerdings bis in das 19. Jahrhundert hinein in den verschiedenen Landesteilen schwankte.

In den Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhunderts fungierte die „Kölnische Mark“ als Münzgrundgewicht für 233,856 g reinen Silbers.

Als Münzeinheit tritt die Mark erstmalig im Bereich des Münzvereins der Wendischen Hansestädte seit Beginn des 16. Jahrhunderts in Erscheinung. Sie machte damals den Wert von 16 Schillingen aus.

Zugleich gab es auch den Begriff der Zählmark, von deutschen Kaufleuten aus London eingeführt. Man rechnete 160 Pfennige auf sie, wobei zwölf Pfennige einen Schilling ergaben und 16 Schillinge wieder eine Zählmark.

Erst als der Handel höherwertige Münzen benötigte, kam es zur Ausprägung von Schillingen. Zugleich wurden größere Silbernominale notwendig. Lange behalf man sich mit Goldmünzen, Dukaten und Floren, später wurden dann Großsilbermünzen in den Verkehr gebracht, von denen der Taler der beliebteste werden sollte.

Die Städte des Wendischen Münzvereins – ihm gehörten damals Hamburg, Lübeck, Wismar und Lüneburg an – beschlossen 1506, die Zählmark in Silber auszuprägen, um von der schwankenden Bewertung des Goldes unabhängig zu werden.

In Norddeutschland konnte sich der Taler als Zahlungsmittel nicht durchsetzen, da diese Goldmünze weder in das Währungssystem des Wendischen Münzvereins noch den Fernhandel dieser Städte passte und selbst keinen festen Kurswert hatte. Man behielt daher die Mark als spezielle Münze der vier Hansestädte bei. Sie zählte – mit weitgehend dem Münzfuß entsprechend Schrot und Korn (Rauh- und Feingewicht der Münze an Edelmetall) – bald zu den beständigsten deutschen Silbermünzen und wurde in fast allen norddeutschen Münzen und Münzstätten der Ostsee-Anrainer ausgeprägt. Die neue Mark hatte einen Feingehalt von rund 17 g Silber und ein Rauhgewicht von ca 19,5 g.

Als in der Inflation des 17. Jahrhunderts und im 30jährigen Krieg der Taler den Kurs von 48 Schillingen erreichte und auch später beibehielt, wurde die Mark zu einem Drittelstück.

In diesem Wertverhältnis ist sie 1871 zur Währungseinheit des Deutschen Reiches geworden und konnte so die Brücke von der Mark des Wendischen Münzvereins zu der des deutschen Reiches von 1871 schlagen.

Als Querschnitt durch die ersten deutschen Mark-Nominale stellte die Norddeutsche Landesbank u. a. Markstücke von Lüneburg und Wismar vor.

Die Lüneburger Mark von 1546 zeigt auf der Vorderseite Embleme des Lüneburger Wappens, die Mauer mit drei Türmen und dem Löwenschild im Tor. Neben der Umschrift „MONETA NOVA LUNEBURGENSIS“ – Neues Lüneburger Geld – sind die Jahreszahl 1546 und eine Gans als das Zeichen des Münzmeisters Hermann Gante zu sehen.

Auf der Rückseite sind kleeblattartig angeordnet die Wappenschilde der Hansestädte Hamburg, Lübeck und Wismar abgebildet, deren Oberkanten in der Münzmitte ein Dreieck bilden, das den Lüneburger Löwen umschließt. Die Umschrift „STATUS MARCE LUBICENSIS“ ist zu lesen als „Im Wert einer Lübecker Mark“. Daneben befindet sich nochmals das Münzmeisterzeichen sowie die Jahreszahl 1546.

Die mit einem Goldkern signierte Replik hat ein Gewicht von ca. 17 g 1000/000 Feinsilber bei einem Durchmesser von 36 mm.

Das Markstück der Stadt Wismar aus dem Jahre 1550 zeigt auf der Vorderseite das Wappenschild der Stadt Wismar auf befußten Kreuz. Die Umschrift „MONETA NOVA WISMARIENSIS“ bedeutet „Neues Geld der Stadt Wismar“. Eine nach rechts schreitende Dohle ist das redende Zeichen des Münzmeisters Joachim Dalemann.

Auf der Rückseite befinden sich kleeblattartig angeordnet die Wappenschilde von Lüneburg, Hamburg und Lübeck. In der Mitte des so gebildeten Dreiecks steht der Lübecker Balkenschild. Die Umschrift „STATUS MARCE LUBICE“ – „Wert einer Lübecker Mark“ – schließt mit der Jahreszahl 1550.

Diese mit einem Goldkern signierte Replik der Nord LB besitzt bei einem Gewicht von ca. 17 g 1000/000 Feinsilber einem Durchmesser von 34 mm.

Nach einem Text der Norddeutschen Landesbank


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